Schicktanz GmbH // Sohland a.d. Spree


Autor: Anne

Interview: Schicktanz GmbH Sohland a.d. Spree /// Spezialist für Spritzgusstechnik, Werkzeugbau und Veredelung Hans-Tobias Schicktanz hat an der Burg Giebichenstein Industriedesign studiert und ist einer der Geschäftsführer der Schicktanz GmbH Sohland a.d. Spree, einem Familienunternehmen, welches seit 120 Jahren besteht. Ich bin durch die Website auf die Firma aufmerksam geworden: dort ist die Rede von Verantwortung, gesellschaftlichem Engagement, Flexibilität, flachen Hierarchien und Wertschätzung. Ich bin gespannt. Reno und ich fahren durch Sohland. Wir müssen das Navi einschalten - gar nicht so leicht zu finden. Sohland liegt nahe der tschechischen Grenze, ist eines der größten Dörfer Sachsens und spielt durch die ansässigen Firmen eine wichtige wirtschaftliche Rolle. Wir fahren auf das Firmengelände: hinter uns Umgebindehäuser, neben uns ein teilsanierter Dreiseitenhof, vor uns die zwei Firmengebäude.

Kaum sind wir ausgestiegen, begrüßt und Hans-Tobias Schicktanz. Er gibt uns kurze Instruktionen für die Anmeldung im Büro; und Warnwesten sollen wir uns geben lassen für eine Werksführung. Es wird deutlich: Besuch kommt hier oft. Nach der Anmeldung finden wir uns im Konferenzraum wieder, Hans-Tobias Schicktanz wirkt jetzt weniger gestresst. Wir trinken Kaffee, er erzählt von seiner Firmengeschichte, wir von unserer Neugründung. Noch ist wenig Emotion in unserem Gespräch. Dann springt er auf und zeigt uns verschiedene Designprodukte. #Agilität

“Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust: zum einen das Netzwerk, zum anderen der Wachstum.” Er erzählt von einem Netzwerk aus ortsansässigen Unternehmen, Künstlern und Designern. Er wirkt euphorisch - denn dafür brennt er. Produkte in der Region zu entwickeln, um diese wieder attraktiv und wirtschaftlich zu machen und zu zeigen, dass man sich hier im Herzen von Europa befindet, wo Menschen und Medien zusammen kommen können. Die Vernetzung ist wichtig, um über den Tellerrand hinaus zu schauen. Man sieht, wie es andere Leute machen, kann Ideen einbringen, findet neuen Partner und Möglichkeiten, neue Kunden zu finden. Aber im Netzwerken liegt auch eine Gefahr: sehr träge Prozesse können entstehen, weil eine Einigung schwierig ist oder nur der Kern des Netzwerks aktiv ist - deshalb ist es wichtig, sich zu engagieren, sichtbar nach außen zu werden und somit einen Mehrwert zu schaffen. Politische Kontakte, Forschungsinitiativen und innovative Köpfe sind eine gute Basis um Neues zu entwickeln. Im Fokus steht dabei immer das Produkt - nur damit kann man Leute hier in die Region bringen und halten, sagt er. #modernleadership “Tankgutscheine und Obstkörbe sind gut, aber die Leute sehen den Mehrwert in den Softskills.” Hans-Tobias Schicktanz ist überzeugt: um im produzierenden Gewerbe zu bestehen, müssen auch seine Mitarbeiter bereit sein und die Möglichkeit haben, innovativ zu denken. Um Ideen zu finden oder zu entwickeln, brauchen sie Freiraum, ´mal raus kommen´, weg von der Maschine. Er spricht von dem Wettbewerb unter den Firmen, die Mitarbeiter wegen ein paar Cent die Stunde mehr abwerben. Tankgutscheine, Obstkörbe und finanzielle Benefits sind gut, machen die Mitarbeiter aber langfristig nicht zufrieden. Es kommt auf die Soft Skills an: mal wirklich zu fragen, was der Mitarbeiter braucht und dann auch zuzuhören. Natürlich gibt es auch solche Dinge wie ein Quartalsfrühstück oder ein Sommerfest. Wir verbringen viel Zeit auf Arbeit, natürlich wollen wir uns die Zeit so angenehm wie möglich gestalten, sagt er. Wir leben von der Innovation - bei uns hat niemand Angst, den Chef anzusprechen, sondern empfindet es als wichtig, Problemlösung und Optimierung voran zu treiben. #Digitalisierung “Wir haben das Ziel, die Maschinen an den Menschen anzupassen, nicht andersherum.” Digitalisierung ist ein großes Thema. Einige Mitarbeiter haben die Möglichkeit zu Home Office und kommen nur einmal im Monat ins Werk. Im Rahmen der Möglichkeiten gibt es flexible Arbeitszeiten und vieles kann digital gelöst werden, sagt Hans-Tobias Schicktanz. Er möchte die Leute abholen, die bereit dafür sind.